Absender: Hans von  Bülow (C00114)
Erstellungsort: Basel
Empfänger: Joachim  Raff (C00695)
Datierung: 6. Dezember 1866 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 71
Umfang: 3 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter freund!
Vielen Dank für Deinen charmanten Brief, in welchem mehrere sehr abdruckenswerthe Stellen:

Habe gestern in Basel erfolgreich die Suite e-Moll op. 72 gespielt, am Donnerstag [29. November] in Zürich das Trio G-Dur op. 112. Dort seien krasse Vorurteile gegen den E. im Schwange. Keiner der Leser oder Mitarbeiter der Baggeschen Zeitung kenne eine Note des E.s. Nach dem Hören des Trios musste Hegar (ein "echter Zögling des Leipziger Konservatoriums") zugeben, dass der E. zu den "beachtenswerthen" Komponisten der Gegenwart gehöre. Die Gesellschaft spielt nur Neuigkeiten aus dem Nachlass von Schumann (inkl. Brahms) und Schubert. Mit Kirchner lasse sich reden, aber Eschmann und Hegar seien "Liguisten". Macht den E. auf Goetz aus Königsberg aufmerksam, Organist in Winterthur und alter Schüler des Berliner Konservatoriums. Befürchtet, dass dieser bald der Schwindsucht erliege - Brahms habe darüber gescherzt. Merians [Emilie und Emil] wollen noch eine Soiree ansetzen. "Romeo und Julia" von Berlioz komme hier zu Gehör. Spiele Beethovens Konzert Es-Dur. Habe Cherubini-Ouvertüre vorgeschlagen. Bedankt sich für die Wiesbadner Programme. Der E. habe ihm den Mund wässrig gemacht mit der Nachricht, dass dieser an Zeitungen mitarbeite. Der Schwager des E.s wollte nach Paris, das Unwohlsein seiner Mutter habe ihn zurückgehalten. Wagner fleissig, der Schwiegervater ebenfalls. Frau und Kind [Daniela und Blandine] ebenfalls. Fürchtet sich vor dem Blick des E.s in seine Ouvertüre [zu "Julius Cäsar"] wegen der Verwendung der Militärtrommel. Spielt mit dem Gedanken, München hinter sich zu lassen und sich in Basel niederzulassen. Ludwig II. überlege Residenzwechsel.



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (6. 12. 1866); https://portal.raff-archiv.ch/html/letter/A00468, abgerufen am 21. 9. 2021.