Absender: Joachim  Raff (C00695)
Erstellungsort: Wiesbaden
Empfänger: [Carl Friedrich Ludwig] Gurckhaus (C00326)
Datierung: 11. März 1866 (Quelle)
Standort: Goethe- und Schiller-Archiv / Klassik Stiftung Weimar (Weimar)
Signatur: GSA 59/107,1
Umfang: 2 Seiten
Material: Papier
Schreibmittel: [Kopie]
Incipit: Lieber Herr Gurckhaus!
Bis in die letzten Tage hatte ich noch immer die leise Hoffnung

Habe gehofft, 8-10 Tage nach Norddeutschland zu reisen, wie er es Freunden in Dresden, Löwenburg und anderen Orten versprochen habe. Müsse am 17. d. M. nach Stuttgart und Karlsruhe. Arbeite zuvor an der Reinschrift eines grösseren Vokalwerks mit Orchester [wohl "De Profundis", op. 141]. Wolle sich in Stuttgart die Festouvertüre op. 117 anhören, deren Aufführung der König befohlen habe. Dieser wolle ihm die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft, die Königin eine kostbare "Busennadel" für die Widmung seines zweiten Trios op. 112 geben. Habe schon in Weimar durch Joachim angeregt einige der Bach'schen Violinsonaten (deren Bearbeitung durch David der E. herausgegeben habe) für Pianoforte bearbeitet [WoO 23], insgesamt 8 Stücke. Habe diese revidiert und die fehlenden Stücke hinzugefügt, bis der die 6 Sonaten vollständig bearbeitet habe. Habe nach der Fertigstellung erfahren, dass der E. Klavierversionen dieser von einem gewissen Herrn Bruyck verlegt habe. Bittet um ein Exemplar dieser Bearbeitung, um zu beurteilen, ob die Bearbeitungen konkurrieren. Bezweifle dies aber, da Bruik, "oder wie er heisst", nicht den mindesten Ruf als Componist besitze und nur ein "Handwerker-Arrangement" geliefert habe, während seine Bearbeitungen für den "Concertgebrauch" bestimmt seien. Siegel mache ihn die Tage eine Sendung. Grüsse an Julius Kistner.


Zitiervorschlag: Raff, Joachim: Brief an Carl Friedrich Ludwig Gurckhaus (11. 3. 1866); https://portal.raff-archiv.ch/html/letter/A00460, abgerufen am 21. 10. 2021.