Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Berlin
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 23. 9. 1862 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 44
Umfang: 4 Seiten
Material: Papier
Veröffentlichung: Bülow 1895 III, S. 494ff..; Marty 2014, S. 226.



Zitiervorschlag:
Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (23. 9. 1862); https://portal.raff-archiv.ch/html/letter/A00427, abgerufen am 25. 9. 2020

Regeste: Informiert den E. über den Tod seiner Schwägerin in St. Tropez. Seine Frau sei mit dem Kind nach Paris gefahren, um die Grossmutter zu trösten. Entschuldigt sich, dass seine Frau der ihr gewidmeten Suite "op. 91" noch nicht angenommen habe. Beschäftige sich schon seit längerer Zeit mit dem Werk und möchte nun ein Heft an Liszt nach Rom schicken. Erwähnt diverse Korrekturen, die er angebracht habe. Findet die Absicht des E.s., Hirsch ans Sternsche Conservatorum zu schicken gut. Der theoretische Unterricht bei Weitzmann sei vortrefflich. Stern habe eine Pension. Habe keine direkten Nachrichten von Wagner, nur indirekte von Weissheimer aus Leipzig, der vom Plane einer Nationalsubscription für Wagner von südeutschen Freunden (darunter der E., Barth, Wilhelmj) berichte. Davon sei nicht abzuraten, für die Würde des Meisters sei es besser, wenn das Risiko einer "Lamartinerei" unterbleibe. Liszt würde entschieden dagegen sein. Barth soll dem E. einen Dankesbrief schreiben, nicht dem A. und Damrosch für nächstes Jahr notieren. Ein Fatum scheine es zu vermeiden, dass er unter Hagen spiele. Zeigt sich erstaunt über das positives Urteil des E.s über Bruchs Klavierstücke. Der E. soll den "Samson" nicht liegen lassen. Dass dieser einschlage sei so sicher wie das Fiasco von Rubinsteins "Lalla Rookh". Schnorr habe über letzteres an Wagner geschrieben. Das Textbuch sei uninteressant: "Johann von Paris" in indischem Kostüm und ohne Humor. Habe ein missgestaltetes Opernpaar gesehen, als ob man noch in der Zeit lebte, als Lindpaintners "Jocko" das Lampenlicht erblickt habe: "La Réole" von Schmidt, "Rose von X" von Benedict. Bock habe beider Klavierauszüge ediert. Dorn habe einen "Fürsten von Hildeburghausen" komponiert. Bittet, Schotts an die Herausgabe des Konzerts von Lizst zu erinnern. Wolle es diesen Winter an mehreren Orten spielen. Will der Frau des E.s eine Widmung antragen, wenn er mal etwas "nicht zu Miserables" schreibe.