Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Berlin
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 1. 6. 1861 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 34
Umfang: 4 Seiten
Material: Papier
Veröffentlichung: Bülow 1895 III, S. 400ff.; Marty 2014, S. 219f.



Zitiervorschlag:
Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (1. 6. 1861); https://portal.raff-archiv.ch/html/letter/A00416, abgerufen am 24. 10. 2020

Regeste: Sei ruiniert wegen seiner Pariser Exkursion. Beklagt auch den Gesundheitszustand seiner Frau, die er voraussichtlich für 2 Monate nach Bad Reichenhall zur Kur begleiten wolle. Wäre lieber zum E. nach Wiesbaden gefahren, könnte sich so besser erholen. Zweifelt am Zustandekommen der Weimarischen Tonkünstlerversammlung. Bedankt sich für die Sendung mit den Sonaten [op. 73, op. 78]. Müsse sich mit der Lektüre begnügen, da er keinen Geiger habe. Befreundet sich nun - nach der ersten - op. 73 immer mehr auch mit der 2. Sonate op. 78. Werke des E.s gewinnen oft mit der Zeit in seinem Urteil, so auch mit der Ballade aus op. 74 so ergangen. Die Peters-Friedländischen Stücke [wohl op. 79, op. 81, op. 84] werden inner- und ausserhalb des Konservatoriums fleissig geübt. "Cacoucha" habe am meisten Erfolg. Die "Frühlingsboten" op. 55 Nr. 12 ["Abends"] und das "Frühlingsnahen" op. 55 Nr. 2 seien von einem Schüler bei der letzten Prüfung mit Beifall aufgeführt worden. Liszt fêtiere den Kaiserlichen Hof. erzählt "Gesellschaftlich-musikalisches" von Berlin (Frl. Pellet, Frl. Lucca, Herr Formes, Johanna Wagner). Habe zu vielen Hofkonzerten beigetragen, man lasse sich aber nur Paraphrasen über Verdi- und Meyerbeer-Melodien gefallen. Majestät streiche alles andere. Opern: "Nurmahal" [von Spontini], dann Botts "Mädchen von Corinth", der Rodenbergsche Text wäre gut für ein Ballett, nicht für ein musikalisches Drama. Grüsse an Gemahlin und Schwägerin.