Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Berlin
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 7. 7. 1860 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 22
Umfang: 4 Seiten
Material: Papier
Veröffentlichung: Bülow 1895 III, S. 325ff.; Marty 2014, S. 214ff.



Zitiervorschlag:
Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (7. 7. 1860); https://portal.raff-archiv.ch/html/letter/A00404, abgerufen am 25. 9. 2020

Regeste: Bedauert, dass er weder die Konzerteinladung des E.s noch ein Barthsches Aktenstück bekommen habe. Sein Besuch in Wiesbaden sei daran gebunden. Seine Frau könne ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht begleiten. Bietet an, in Wiesbaden und Homburg einige Stunden Klavier zu spielen. Mr. Heda [Schuberth] sei nach New York gefahren und habe dort unpraktische Dummheiten gemacht ("marktschreierische Annoncen" von Tausigs "Geisterschiff" und Liszts "Verdi-Variationen". Konnte diese deswegen in Wien nicht aufführen. Neuigkeiten: Radecke werde über Emil Naumann als Bewerber der Konzertdirektion in Frankfurt a/M den Sieg davontragen. In Breslau soll Julius Schäffer an Reineckes Statt ernannt worden sein, der sich von Schwerin hinwegsehe. Fragt, ob dem E. "einer neuer Brahms" bekannt sei namens A. Saran. Robert Franz und Anhang loben diesen und erheben diesen zum "Messias". Mit Kullak sei es in Berlin zu einer Annäherung gekommen. Plane mit diesem eine neue literarisch-musikalische Zeitung, worin auch der E. mitwirken müsse ("Musikalische Hausblätter"). Im August finde eine Zusammenkunft bei Brendel zur besseren Organisation der "Neuen Zeitschrift für Musik", die erhalten, bzw. gestützt werden soll. Habe eine Einladung an das Mainzer Musikfest erhalten. Wolle nicht gehen. Es sei ein sonderbares Vergnügen "Israel in Agypten" und die "C moll Symphonie" (die "Handwerksburschensymphonie", wie Bruno Bauer zu sagen pflegt) [Mendelssohns Symphonie Nr. 1] abzusitzen. Bittet den E., für seinen früheren Bekannten Edmund Remak, der Korrespondenzen aus New York schreiben wolle, bei Schott und den "Signalen" als "Vice-Butterbrodt" zu vermitteln. Studiere jetzt die Suite e-Moll op. 72 und ein "Drittel-Dutzend Frühlingsboten" op. 55 für die nächste Saison ein. Reflektionert auf das Erscheinen des Duos in fis-Moll [aus op. 58 Nr. 1?]. Fragt, was aus dem Trio [WoO 9?] geworden sei. Habe grosses Entsetzen über Schreiber gehabt, der in der Bischoff'schen Korrespondenz nicht "celebritätanbahnend" verarbeitet worden sei.