Absender: Joachim  Raff (C00695)
Erstellungsort: Wiesbaden
Empfänger: Gurckhaus (C00326)
Verlag Kistner (D00020)
Datierung: 16. Mai 1860 (Quelle)
Standort: Goethe- und Schiller-Archiv / Klassik Stiftung Weimar (Weimar)
Signatur: GSA 59/107,1
Umfang: 4 Seiten
Material: Papier
Incipit: Lieber Herr Gurckhaus!
Als ich vor 5 Wochen in Leipzig das Vergnügen hatte,

Hätte bei seinem letzten Besuch in Leipzig vor 5 Wochen gerne über den Inhalt dieses Briefes gesprochen, wenn der E. nicht verhindert gewesen wäre. Kurz danach starb seine Schwiegermutter. Konnte er nicht noch einmal nach Leipzig kommen, obwohl er den Aufenthalt in Thüringen verlängern musste. Schott habe angeboten, eine Sendung für den E. mitzunehmen. Liess diesen jedoch mit leeren Händen gehen. Bietet dem E. das Manuskript op. 99 an. Schumann habe vor 10 Jahren einen Versuch mit "Jugendsonaten" gemacht. Clementis Sonaten helfen nicht beim Übergang von Salonstücken zu den klassischen Formen, weil in ihnen jedes moderne Element, vor allem in melodischem Sinne fehlt. Auch Schumann habe zu viele Figuren und zu wenig Melodie verwendet, zudem fehle seinen Stücken die Brillanz. Eine namhafte Handlung habe bei Liszt drei solche Sonaten bestellt. Glaubt, dass dieser nicht der richtige Mann dafür sei. Habe versucht, "angenehmste Unterhaltungsstoff in kunstwürdiger Weise den klassischen Formen zu unterbreiten". Es handle sich um die Fortsetzung der soeben edierten Stücke op. 75. op. 76 werde erst bei Schott fertiggestochen. op. 77 werde von Schuberth im kommenden Monat versandt. Dann erscheint die zweite grosse Sonate op. 78. Die Stücke könnten bis Weihnachten als Opus 79 erscheinen. Wäre geneigt, das Werk Moscheles unbekannterweise zu widmen. Bittet um Sendung op. 75 Nr. 7/8, weil die Pfingstferien bald zuende seien. Grüsse an Kistner.


Zitiervorschlag: Raff, Joachim: Brief an Carl Friedrich Ludwig Gurckhaus (16. 5. 1860); https://portal.raff-archiv.ch/html/letter/A00402, abgerufen am 21. 9. 2021.