Absender: Joachim  Raff (C00695)
Erstellungsort: Weimar
Empfänger: Franz  Schott (C00840)
Verlag B. Schott's Söhne (D00002)
Datierung: 17. April 1857 (Quelle)
Standort: Staatsbibliothek zu Berlin. Musikabteilung (Berlin)
Signatur: 55 Nachl 100/B,19769
Umfang: 3 Seiten
Material: Papier
Schreibmittel: [Kopie]
Incipit: Lieber Herr Schott!
Meine Rückreise hierher konnte nicht direct stattfinden.

Berichtet, dass die Rückreise nach Weimar nicht direkt stattfinden konnte. Da seine Braut ein Gastspiel in Darmstadt hatte, ging er dorthin, um das Nöthigste mit Tischer zu besprechen. Seine Braut trat am 3. d. M. als "Waise von Lowood" auf, mit bedeutendem Erfolg. Kamen am 4. an. Habe gleich den Auftrag des E.s an Liszt besorgt. Die Korrektur sei längst fertig, Liszt habe gehofft, dass Preller ihm die Zeichnungen liefern werde. Zum Geburtstag der Grossherzogin wurde der "Trovatore" aufgeführt. Herr von Beaulieu-Marconnay habe die Intendanz abgegeben und man bezeichne mit Bestimmtheit Dingelstedt als dessen Nachfolger. Liszt sei bettlägerig gewesen, konnte aber den "Trovatore" dirigieren. Singer habe in Aachen vorgeschlagen, die "Liebesfee" op. 67 zu spielen, doch die Kommission wollte stattdessen Beethovens Violinkonzert. Leopold Damroschs ("ein couragirter Zukunftsmusiker") "Jungfrau von Orleans" sei ein "eigenthümliches Vergnügen" gewesen, "Nonsens", für den das Weimarer Publikum noch nicht korrupt genug gewesen sei. Seine Braut reiste am Dienstag wieder nach Darmstadt und werde gestern aufgetreten sein. Habe den Klavierauszug der "Sizilianischen Vesper" noch nicht auftreiben können. Er habe zudem die "Polka-Mazurka" und den "Galopp" von Labitzky [Joseph] op. 235 und 36 für zwei und vier Hände arrangiert. Übersendet Partitur und Arrangements. Habe bei der Korrektur des gestern erhaltenen zweiten Bogens von "Maître Patelin" nur wenige Fehler gefunden. Freue sich sehr, den E. bei der Messe in Leipzig wiederzusehen. Wünsche an Madame Schott. Werde wohl vor Mitte Mai wieder am Rhein eintreffen.


Zitiervorschlag: Raff, Joachim: Brief an Franz Schott (17. 4. 1857); https://portal.raff-archiv.ch/html/letter/A00385, abgerufen am 21. 9. 2021.