Absender: Joachim  Raff (C00695)
Erstellungsort: Wiesbaden
Empfänger: Joseph  Hellmesberger (C00367)
Datierung: 25. Dezember 1856 (Quelle)
Institution: Universität Frankfurt/Main C.F. Senckenberg (Frankfurt/Main)
Standort: Universitätsbibliothek Frankfurt/Main C.F. Senckenberg (Frankfurt/Main)
Signatur: Mus.Autogr. J. Raff A 013
Umfang: 4 Seiten
Material: Papier

Habe von Pruckner erfahren, dass der E. mit diesem zusammen seine Sonate [op. 73] aufgeführt habe. Bedankt sich, dass der E. trotz Problemen seinem Talente die Tore Wiens geöffnet habe. Es sei ihm erklärlich, dass seine Werke viele Vorurteile gegen sich haben. Werde von einigen seiner Kollegen auf die "totale Umwälzung" gedrungen. Folge zwar der "allgemeinen Fortschrittsforderung", der Fortschritt dürfe jedoch nur auf "historischem-naturgemässem Wege" erstrebt werden. D. h., der "individuelle Gehalt" werde in die "vorhandenen Formen" einverlegt und diese nur dort geändert, wo es unausweichlich sei. Gerechtfertigt werde dies durch die Meister der Wiener Schule. Hoffe daher, nicht mit den Kollegen, die die schönen Formen mutwillig verschleudern, in einen Topf geworfen zu werden. Pruckner habe berichtet, dass der E. das übersandte Quartett op. 77 einer Aufführung an einer Soirée für nicht unwert halte. Bedauert, nicht mehr Kammerwerke übersandt zu haben. Hatte kaum Zeit, die Werke, die im Entwurf fertig sind, auszuarbeiten, da er mit der Vollendung eines fünfaktigen Musikdramas [Samson, WoO 20] beschäftigt sei. Wolle sich diesen Werken bald wieder zuwenden und sie dem E. mitteilen. Könne auch grössere Vokal- und Instrumentalwerke zur Verfügung stellen. Gute Wünsche für den kranken jüngsten Sohn des E.s.


Zitiervorschlag: Raff, Joachim: Brief an Joseph Hellmesberger (sen.) (25. 12. 1856); https://portal.raff-archiv.ch/html/letter/A00253, abgerufen am 8. 12. 2021.