Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: München
Empfänger: Doris Raff (C00693)
Datierung: 3. November 1879 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana X, Bülow, Hans von Nr. 3
Umfang: 3 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrteste Gönnerin!
Sie wissen doch? Also Sie können Sich denken,
Veröffentlichung: Kannenberg 2020.

Möchte "gern" Cossmann seine Mitwirkung an einer Soirée in Frankfurt zusagen. Sei leidend, der "Nero" [von Rubinstein] in Hamburg habe ihn sehr angegeriffen. Auch im "Widerwärtigen grosse tüchtige Züge" [Goethe]. Fragt Helene, woher das sei. Vetter Otto [Bismarck?] würde "in augustis" auch nicht viel eleganter korrespondiert werden. Werde im Januar in England Jagos Rat an Cassio befolgen. Wünscht dem Gatten der E. "vergnügte Conflikte". Die "Waldsymphonie" sei sehr schön gegangen, besser als in Karlsruhe.

Hannover, 3 Nov.◊1 Verehrteste Gönnerin! Sie wissen doch? Also Sie können Sich denken, in welch defekte Verfassung ich mich befinde u. s. w. Ihnen einen Korb zu geben, hätte ich nicht den Muth. Also…… Also „gern“ will ich Herrn C. meine Mitwirkung zu einer Soirée in F. widmen gegen Erstattung der persönl. Unkosten (120 M.) – da ich jetzt gar nicht in der Lage bin, durch Generosität zu brilliren. Jeder Tag dieses Monats mit Ausn. der Dienstage soll mir recht sein, doch muß ich in Bälde das Datum fixirt haben, da ich sonstige Conzerteinladungen von jetzt ab – nicht mehr ausschlagen kann. Ich spiele ihm so viel Solo er will und mit ihm eine größere pièce de résistance, nach seiner Wahl, doch seine bonbons muß er sich von einem Andren begleiten lassen. Sind Sie mit mir zufrieden? Ich versichere Ihnen, die Gern-Zusage wird mir nicht leicht – in dieser Zeit wenigstens nicht. Ich habe mich durch Kurierzüge etwas zu kuriren versucht – denn ich bin seit 6 Wochen chronisch sehr leidend – aber der Nero in Hamburg gestern Abend hat mich so sehr angegriffen, daß ich mich gleich zu Bett legen werde. Aber Nero? Das Ungethüm macht sich auf der Szene weit besser, als der Klavierauszug ahnen läßt. Aufführung und Aufnahme war für den Autor, dem ichs von Herzen gönne, sehr befriedigend. Auch „im Widerwärtigen große tüchtige Züge“. Woher ist das, Fräulein Helene? Besten Gruß. Seien Sie mir nicht böse, verehrteste Freundin, daß ich so flüchtig schreibe, so „ungebildet“. Ihr Brief ist von allen hier eben vorgefundenen ◊2der einzige, den ich sofort beantworte. Vetter Otto würde in angustis auch nicht viel eleganter corresponirt haben. Bis Ende des Jahres bleibe ich hier erreichbar für Sym- und Antipathie. Im Januar werde ich [in] England Jagos Rath an Cassio befolgen. An den Gatten Versicherung treuer Verehrung und den Wunsch „vergnügter Conflikte“. Bei den meinigen bin ich leider nicht auf die Kosten gekommen – übrigens – doch genug. Sie rathen, wenn Sie an die Ihnen gewidmete Loreley denken, zwischen den Zeilen. In alter dankbarer Anhänglichkeit Waldsinfonie ging sehr Ihr ganz ergebener schön (besser als in Carlsruhe) HvBw. [copyright Simon Kannenberg]


Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Doris Raff (3. 11. 1879); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 15. 3 2026.