Absender: Joachim  Raff (C00695)
Erstellungsort: Weimar
Empfänger: Kunigunde  Heinrich (C00362)
Datierung: Februar 1850 (Quelle)
Material: Papier
Veröffentlichung: Raff 1902, S. 393ff.

Er lebe in "gänzlicher Vereinsamung". Freut sich über Briefe von Gotthold] Logau, Kunigunde Heinrich und Bock. Er habe soeben die "Héroide funèbre" von Liszt "instrumentirt". Seine Beziehung zu Liszt sei in "ein zweites Stadium eingetreten". Bei seiner Ankunft in Weimar habe ihn niemand sonderlich ernst genommen. "Ganze Stellen in den neuen Sachen Liszt's ebensowenig mit der Feder ihres genannten Verfassers vertraut sind als gewisse Passagen in meinem 15. Werk op. 15 von Joachim Raff herrühren." Bittet, diese Briefstellen geheim zu halten. Er habe Schuberths Angebot nicht angenommen. Er hatte Angst, dass sich dadurch einen Riss zwischen ihm und Liszt ergeben könnte. Berichtet über das Verhältnis von Liszt und Carolyne zu Sayn-Wittgenstein. Macht nicht zuletzt sie dafür verantwortlich, dass Liszt "nach einer ruhigen Komponisten-Carière trachtet". Die Mutter Liszts und Belloni waren zwei Monate lang in Weimar. Belloni will ihn in Paris bekannt machen. Zudem sollen bei Escudier sechs Klavierstücke von ihm publiziert werden (die noch nicht gemacht seien), eines davon der Zeitung des Verlages beigelegt werden und eine Orchesterkomposition aufgeführt werden. In drei Zeitungen sollen Artikel über ihn kommen. Sinfonie [WoO 18] und Streichquartett [WoO 13] seien noch nicht fertig. Dafür Liszts zweites Konzert, dessen Solo er instrumentiert und zweimal kopiert habe, und seine Messe für vier Stimmen habe er kopiert und den ersten Satz instrumentiert. Die Kopien von "4 religiöser Chöre" und des Duos für Klavier und Violine, das Liszt zusammen mit Lafont geschrieben habe, habe Belloni mit nach Paris genommen. Die Héroide funèbre habe er instrumentiert und kopiert, ebenso "Die Macht der Musik" und den "Goethemarsch", der sein "orchestrales Debut" gewesen sei. Beim Goethefest sei er in der Orchestration von "Liszt-Conradi" erklungen, die Raff getadelt habe, worauf Liszt sagte, er solle es besser machen. Am "letzten Donnerstag" seien die Stimmen zur Aufführung vorbereitet worden. Will nun die "Tasso"-Ouvertüre zu einer zweisätzigen Symphonie umarbeiten. Er besorge einen Teil der Liszt'schen Korrespondenz. Dazu habe er einen Text Liszts über die Goethestiftung übersetzt und zweimal kopiert. Konnte noch keine Hofkonzerte besuchen. Liszt wollte die Ouvertüre zu "König Alfred" [WoO 14] geben, doch Raff liess ihn nicht. "Letzte Woche" wurden die "Bergsymphonie" und Raffs Orchestrierung des "Goethemarsches" aufgeführt, Liszt entnahm "König Alfred" einen Kanon, den er im Orchester proben liess, um Raff zu überraschen. Das Quartett [WoO 13] wurde da Capo verlangt. Durchreisende Künstler: Bratfisch und Frau Klauss. Zudem komme [H. W.] Ernst, mit dem Liszt Duette schreiben will. Für Nabich habe er eine "kleine Phantasie über den Propheten" geschrieben [WoO 12C]. Es gäbe auch einen tollen Trompeter namens Sachse hier. Berichtet, wie Apel, Stör und Liszt sein Trio [WoO 9] und die "Eclogue fantastique" op. 57 proben. Verdient weniger, als Liszt ihm versprochen hat. Er hat Briefe von zuhause erhalten. Sein Vater habe ihm Polkas geschickt. Nabich habe in Berlin Hans [von Bülow und Raffs "alten Freund" Franz Kroll getroffen. schreibt über sein Zimmer und Wetter.


Zitiervorschlag: Raff, Joachim: Brief an Kunigunde Heinrich (Feb. 1850); https://portal.raff-archiv.ch/A02225, abgerufen am 14. 8 2022.