Absender: Joachim  Raff (C00695)
Erstellungsort: [Weimar]
Empfänger: Doris  Raff (C00693)
Datierung: Quelle undatiert
[undatiert] bis [undatiert] (Quelle)
14. Februar 1856 bis 16. Februar 1856 (ermittelt)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana II
Umfang: 4 Seiten
Material: Papier
Schreibmittel: schwarze Tinte
Incipit: [ohne Anrede]
Obwohl es spät ist, und ich vom Arbeiten bis jetzt sehr müde bin,

Die Weimar'sche Zeitung habe vom Engagement von Jaffé in Braunschweig berichtet. Landhammer nehme dies zum Anlass, seinem Hass gegen Jaffé im heutigen Tagblatt auszulassen. In einer Rezension des "Günther" von Apel in der Brockmann'schen Zeitung nehme Marggraff die Gelegenheit, einen Seitenhieb gegen Wilhelms [Genast] Stück zu nehmen. Litolff habe ein Trio von sich in Leipzig gespielt und scheint durgefallen zu sein. Griepenkerl lasse drei Akte seines Robespierre in Gotha aufführen, Litolff werde dort seine Ouvertüren "Robespierre" und "Girondisten" aufführen. Die beiden kommen zusammen auch nach Weimar. Biedermann sei mit den sächsischen Regierungsorganen zu Dresden und Chemnitz im Streit. Eine Symphonie von Ehlert sei in Berlin durchgefallen. Dem Vater gehe es noch nicht besser. 15.2.: Gemäss der heutigen "Signalen" habe der Litolff doch besser gefallen als nach der Brockhaus'schen, wo Bernsdorf schreibe. Die Wahrheit werde er wohl von diesem erfahren. Rümpler [?] von Hannover sei hier, der Hoffmann [von Fallersleben] und [Oskar] Schade versöhnen wollte. Rümpler sei heute mit Hoffmann in der Altenburg. Gestern Abend erschien R.s erster Berlioz-Artikel. Pohl habe sich daraufhin bei Biedermann beschwert, dass man ihm keinen Platz in der Weimar'schen Zeitung einräume. Morgen werde der zweite Artikel erscheinen. Singer habe sich heute wegen des Quartetts op. 77 schriftlich an ihn gewendet. Scheue sich wohl, ihm unter die Augen zu treten, nach allem was vorgefallen sei. Müsse aber doch schauen, dass das Werk endlich bereinigt und copiert werde. Dem Vater gehe es besser. Emi und Soupper habe er Grüsse an die E. aufgetragen. Arbeite von morgen bis abends und wisse nicht wie es komme. 16.2.: Dass das Cäcilienconcert verschoben werde, sei ihm fatal. Die E. soll ein Programm für ihn auftreiben und mit den Berichten über die "Liebesfee" op. 67 an ihn senden. In den "Wiener Monatsheften" sei eine Besprechung von Wilhelms [Genast] und Mosers [?] Stück. Die Brendel'sche Zeitung ignoriere ihn in der aktuellen Nummer völlig. Entweder habe Pohl nichts über seine Aufführungen eingeschickt oder Brendel habe es auf fürstl. Wittgenstein'sches Geheiss nicht abgedruckt. Die E. wisse wohl bereits, dass der alte Salviati gestorben sei. Die neue Nummer des Sonntagsblattes sei faul. Schölls Novelle ziehe sich endlos dahin, habe Böhlau seine Meinung gesagt. Morgen sei S. Chiara in Gotha. Würde hingehen, wenn nicht die Probe vom Berlioz-Konzert stattfände. Dort seien interessante Dinge für ihn. Wolle sich auch die neue Version von "Benvenuto Cellini" anhören. Sein Quartett sei bis auf den letzten Satz beim Kopisten.


Zitiervorschlag: Raff, Joachim: Brief an Doris Raff ([14. 2. 1856]); https://portal.raff-archiv.ch/A01697, abgerufen am 28. 6 2022.