Absender: Joachim Raff (C00695)
Doris Raff (C00693)
Erstellungsort: Basel
Empfänger: Antonie Genast (C00277)
Datierung: Quelle undatiert
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana II
Umfang: 2 Seiten
Material: Papier
Schreibmittel: schwarze Tinte
Incipit: Liebe Toni!
Wenn auch etwas müde, und weniger Amor als verschwitztes Kind

Liebe Toni! Wenn auch etwas müde, und weniger Amor als verschwitztes Kind, gelang mir’s doch glücklich das alte Raurachische Emporium zu erreichen, alleselbst Emil, Emilie und Knufius mich wohlwollend in Empfang nahmen und auf mannigfach verschlungenen Wegen einer erfreulichen Häuslichkeit und nicht zu verachtenden Mahlzeit entgegenführten. Immer habe ich mit Liebe und Dank an dich gedacht, und wenn wir etwas recht nicht aus dem Sinn gieng, so war es nicht die amtlich durchlöcherte […], sondern mein süßes Lenchen, das ich bitte, zu grüßen und zu küssen. Merians und Doris fand ich in gutem baulichem Zustande, und lebe zur Zeit der Erwartung, daß auch du noch eines solchen dich erfreust. Indem ich dich in brüderlicher Zuneigung grüße, bitte ich dich auch Johanna alles Liebe und Treue von mir zu sagen. Warum hat sich nun auch grade so alles einrichten müssen, daß ich ihre Gegenwart versäume! Nun sage ich dir, daß die Witterung nicht mehr ganz geheuer erscheint, daß wir aber entschlossen sind, dem entworfenen Reiseplan einzuhalten, weßhalb ich dich bitte bei deinen Nachrichten für uns die angegebenen Adressen einzuhalten. Es ist jetzt 12 ¼ Uhr und wir reisen um 2 Uhr ab. Da ich zu Tische muß, so schließe ich also diese Zeilen unter den treuesten Grüßen von allen, denen sich gewiß auch Lieschen und Hänschen anschließen würden, wenn sie gleich da wären. Nebenher gesagt handfeste liebe Kinder, deren musicalische Bildung hoffentlich keinem Pfuscher sondern dem alten Onkel Raff anvertraut werden wird, wenn der solange noch lebt und schulmeistert. Nun aber Adieu, meine liebe Dicke! Dein treuer Schwager Joachim Raff Basel Sonntag den ich weiß nicht wie vielten. [Nachschrift Doris Raff:] Tausend Grüße liebste Toni! Raff sagt: Du kennst alle Adressen genau also feste [?] ich auf pünktliche Briefe.


Zitiervorschlag: Raff, Joachim: Brief an Antonie Genast ([undatiert]); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 16. 3 2026.