Liebenstein, 12 Tischri 5641. Verehrter Freund, es ist mir aus Deinem neulichen
Schreiben – leider hat mich amtl. Kohlpflanzen zu einer Untreue an meinem „umgehenden
Erwiderungssystem“ verführt – nicht recht klar geworden, ob Du meiner Vermittlung
bez. Schwarzens (Mittheilung, daß Du nicht auf ihn reflectiren kannst)
entgegensiehst. Einstweilen: in dubio abstinui, da ich ihm niemals eine, noch so
vage, Zusicherung für Frkfrt gemacht habe. Übrigens B. R. anlangend, so habe ich mein
Urtheil über ihn, nachdem ich ihn im Juni bei Liszt des Öfteren gehört, zu seinen
Gunsten moduliren können. Er ist jedenfalls der reifste der actuellen
„Lieblingsschüler“; ich glaube u. hoffe, er werde Euch befriedigen. Viel Glück zu der
Herbstsinfonie. Möchte zunächst gern einmal den Sommer hören, dessen Finale Liszt,
mit dem ich es bei der née Gortschakoff quadrumanirt, außerordentlich gefiel. Mit mir
stehts im Herbste nicht ganz so faul, wie im verflossenen Sommer, immerhin aber noch
miserabel genug. So eine Neuralgie wünsche ich dem ungrüßbaren Musikpabst am Rhein!
Manche gern gehegten Winterpläne werden mir dadurch erstickt, werde vermuthlich sur
le Meiningen zu intendiren oder -danzeln reduzirt sein. — Deiner Frau Gemahlin mit
ergebenster Empfehlung die dankbare Beantwortung der Sicilianischen Frage, daß ich
sie bitte, den Rest meines Syrakusers nach der Dietenmühle zu senden, damit er meiner
Mutter, die an ihm viel Wohlgefallen findet, statt ihres dazu weniger qualifizirten
Sohnes das Leben zu versüßen helfe. Herzlichen Gruß an Angelika Kaufmann II! Sei Dir
der Winter nicht allzu lastvoll! In treuer Ergebenheit Dein alter Bw. Grolle mir
nicht wegen der Charlottenburger Behelligung. Ich glaubte ...... – „enfin“ wie ich
Dich als Meister auch in denjenigen Deiner Werke, die mir weniger behagen als andere,
stets respektire, so auch Deine Praxis, falls sie mir nicht ganz zu Deiner Theorie zu
stimmen schiene, in anderen menschlichen – Geschäften. [copyright Simon
Kannenberg]