Hannover, 14/II 1879. Verehrter Freund, es hat mir Vergnügen gemacht gestern Deine F
dur (No 1) Romanze für Horn spielen zu laßen und natürl. auch eigenhändig zu
begleiten. Sie wurde sehr schön geblasen und gefiel riesig. Es sieht eigentl.
arrogant aus, daß ich Dir derlei Bagatellen mittheile, aber Du erfährst dadurch, daß
dein alter protègè nicht aufhört Deiner zu gedenken. Saint Saëns der morgen hier
spielt, war anwesend und fand das Stück très charmant. Cellini – das hast Du wohl
durch Zeitungen erfahren – überraschend einschlagender Erfolg bei jeder Wiederholung
bis dato sich steigernd. Nun zur Hauptsache, einer Bitte, die eigentlich unverschämt:
Besuche mich doch Mittwoch früh auf dem Bahnhofe. Ich komme 9.40 an und muß 11. 7
nach Würzburg, wo Abends Probe, so daß mir Aufenthalt in F. a/M unmöglich, ebenso
wenig bei der Retourfahrt. Ich möchte Dich gar zu gerne auf einen Moment wiedersehn!
Mit herzl. Grüßen an die Deinigen treulichst Dein alter HvBülow [copyright Simon
Kannenberg]