Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: London
Empfänger: Doris Raff (C00693)
Datierung: 5. Dezember 1874 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 125
Umfang: 3 Seiten
Material: Papier
Incipit:
aben Sie schönsten Dank, verehrte Frau für die unblasirte Aufnahme meiner neulichen Mittheilungen,
Veröffentlichung: Kannenberg 2020.

Bedankt sich für die "unblasierte Aufnahme" seiner Mitteilungen. Berichtet, dass op. 128 gestern Abend kolossal durchgeschlagen habe. Strauss sei besser disponiert als je. Quintett op. 107 habe ebenfalls sehr gefallen. Berlioz habe gesagt, dass Musiker in London keine Zeit haben, Musik zu machen. Dannreuther studiere fleissig an der Symphonie d-Moll op. 189, die Bote dem E. zugeschickt habe. Lobt das Werk.

London, Dez. 5. 74 Haben Sie schönsten Dank, verehrte Frau für die unblasirte Aufnahme meiner neulichen Mittheilungen, die ich heute vervollständigen kann durch die Kunde, daß gestern Abend Op. 128 colossal durchgeschlagen und den beiden Spielern nach jedem Satze gleich stürm. Applaus eingetragen hat. Strauss war besser disponirt als je – er bringt sich respektvoll dem Autor in Erinnerung. Quintett am Samstag vor 8 Tagen gefiel gleichfalls sehr*) – doch ist das Samstag-Nachmittag-Publikum kühler als das Montag-Abend-ditto. Auch ließ die Aufführung an Ensemble-Verve zu wünschen übrig. Die Leute waren von der 2stündigen Probe etwas müde. „A Londres les musiciens n’ont pas le temps de faire de la musique“ sagte Berlioz. Correktur einen der ersten Montage im Januar. Dannreuther studirt fleißig in der D moll Sinf. die mir Bock neulich zugeschenkt und die ich mit staunender Bewunderung vorige Woche auf der Reise gelesen. Herr Gott von Mannheim, wo will der Mann noch hinaus d. h. hinan? Wenn die Royal Albert Hall-Unternehmung (bis jetzt sehr defizitterlich) sich weiter hält, so beabsichtigt obbemeldeter D. sie – die D moll – baldigst aufzuführen. Er ist ein guter Dirigent. Ich fühle mich plötzlich so müde und dumm, daß ich mich noch kürzer fassen muß, als ich beabsichtigte, und leider Ihre Vermittlung mit Ihrer Fräulein Tochter ein bischen Politik zu plaudern, nicht in Anspruch zu nehmen vermag. Also nur noch allerherzlichste, freundschaftlichste Grüße Ihres alten treuen H vBülow. ◊1 (*, ja, ja, ja! ◊2Spielen Sie doch nicht so viel Schau! Das Theater hat sich ja schon lange überlebt. [copyright Simon Kannenberg]



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Doris Raff (5. 12. 1874); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 15. 3 2026.