Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: München
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 18. Oktober 1872 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 111
Umfang: 3 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrtester Freund,
hilf, hilf! Du machst mir meine Flämmchen abspenstig!
Veröffentlichung: Kannenberg 2020.

Giulia Masetti verlange Foto und Autogramm des E.s - bittet um Zusendung davon. Sei in Prag, reise nach Wien und Pesth (Konzerte mit Cossmann und Singer). Verbringe Weihnachten in Wiesbaden. Schickt Konzertprogramm für Doris. Berichtet von Konzerten in Innsbruck, anstehende Konzerte in Linz und Salzburg. Könne sich den ultrafreudwilligen Bestrebungen für den Mäusehehler nicht anschliessen. Dieser habe sich am Horakschen Institut beworben und einen reichen Onkel in Vevey. Fragt, was Helenchen mache. Freut sich nicht, dass der E. den Rauchscherz als Rauchdusi für Leidenthäler verwenden wolle. Fragt, ob Alex Grüsse bestellt habe. Fragt, ob die Frau des E.s den "Ahasver" von Robert Hamerling noch bis Dezember entbehren könne.

München, 18 Okt. 72 Verehrtester Freund, hilf, hilf! Du machst mir meine Flämmchen abspenstig! Giulia Masetti (Contessina) verlangt plötzlich Dein Photo – mit Autogramm von Dir. Thue mir den Gefallen und sende ein Stück in Visitenkartenformat – womögl. mit dem jesuitischen Schnörkel von dunnemals für das schöne Augenpaar an mich der ich vom 22 d. an in Prag Hotel de Saxe bis 29sten hausen werde. Dann Wien, wo Conzerte am 2. 7. 14. 19. in Pesth mit Singer u. Coßmann 20. 22. 25. Weihnachten bringe ich wie Du weißt in Wiesbaden zu. Anbei Conzertprogramm von heute für Frau Doris. Gestern war gutes Conzert in Innspruck, morgen Linz, übermorgen Salzburg. Fünf Nächte hinter einander außer Bett! Habe immer noch – seit 14 Tagen – einen gräulichen Katarrh – dennoch halte ich die Strapatzen aus ohne daß man’s meinem Klimpern anhört und weiter braucht es ja nichts. Unter sothanen Verhältnissen nimm es mir nicht übel, wenn ich mich Deinen ultrafreundwilligen Bestrebungen für den Mäusehehler nicht anschließen kann. Geld habe ich nicht – anpumpen thue ich Niemanden auch für Andere nicht. Zudem mißfällt mir das Gebahren R’s. Du weißt er hatte nach Wien geschrieben, sich um die Stelle am Horakschen Institute beworben. Ob er wohl diesen ihm fremden Hrn Direktor ebenfalls das Ansinnen gestellt haben würde, ihn von seinem Düsseldorfer Schuldenübergewicht erlösen zu helfen? Zudem besitzt er einen reichen (für Andere sehr unausstehlichen) Onkel in Vevey. „Sehe Jeder, wie er’s treibe!“ Hartherzig bin ich von Natur nicht – aber jetzt heißts – für meine Kinder sorgen und da kann ich mich nicht damit befassen, ◊1Vorsehung zu spielen für sogen. Mitschüler! Was macht Helenchen? Daß Du meinen Rauchscherz freundlich aufgenommen, ist schön – weniger schön, daß Du sie als Rauchdusi für Leidenthäler od. drgl. behandeln willst. Hat Dir Alex meine Grüße bestellt? Dir von dem wirklich charmanten, sehr reüssirten Conzerte in Baden erzählt? Deine Frau kann doch den Ahasver bis Ende Dezember noch entbehren? Behalte mich in freundschaftlichem Andenken und lasse gelegentlich mir ein Lebenszeichen von Dir zukommen. Ciaõ (sagen die Mailänder) Dein treuergebener Bülow. [copyright Simon Kannenberg]



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (18. 10. 1872); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 13. 6 2026.