Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Florenz
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 8. Mai 1870 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 106
Umfang: 2 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter Freund!
In einer Art Rausch schreibe ich Dir – eben ist nämlich das große Experiment vorüber
Veröffentlichung: Kannenberg 2020.

Habe das grosse Experiment [Aufführung von "Cäsar"-Marsch] vorüber. Jaëlls [Alfred und Marie] haben mit Verwunderung erzählt, wie populär der E. in Mailand sei. Die Chaconne op. 150 habe sehr gefallen. Freut sich, dass Bock "Dame Kobold" op. 154 gekauft habe. Habe der Mutter nach Ankunft in Florenz geschrieben. Bis heute keine Antwort. Bittet den E. zu schreiben, wie es ihr und der Schwester gehe. Jensen sei hier. Dieser habe Wein-Balladen von Viktor Scheffel und sei ein Verehrer des E.s. Habe gestern "Metamorphosen" und Scherzo op. 74 in der Soc. Cherubini gespielt, werde das möglicherweise auch in Amerika tun. Antrag von Ullmann sei im Anzuge.

Firenze, li 8 maggio 1870 Verehrter Freund! In einer Art Rausch schreibe ich Dir – eben ist nämlich das große Experiment vorüber – vide Beilage – mit dem möglichst günstigsten Succeß. Es war charmant – Orchester wie Publikum. Ich bleibe hier, sagt Cortez und – Bülow. Jaell’s erzählen mir mit Verwunderung wie populär Du in Mailand bist. Deine Chaconne hat riesig gefallen: à propos Mme Jaell ist weit interessanter als ihr dicker Jatte. Wie geht’s Euch? – Mit Vergnügen gehört, daß Bock Dame Kobold gekauft. Gutes Zeichen! Nur wirds einen schweinehündlichen Stich Deines Opus geben! Worumb ich Dich heute in Kurzem bitte, ecce: Habe an meine Mama sofort nach Ankunft in Florenz geschrieben. 24 April, bis heute keine Antwort erhalten. Vermuthlich Brief verloren gegangen? Bin unruhig – möchte gern wissen, wie es ihr und meiner Schwester geht. Grüße sie herzlichst von mir und bettle in meinem Namen um eine Zeile. Mir gehts leidlich: meinen in Berlin geholten Rheumatismus bin leider noch nicht los, trotzdem Wetter himmlisch hier! Es ist recht absurd, daß Ihr Euren Besuch hier zum Frühling aufgegeben habt! Statt dessen schlechter Ersatz – Jenssen mit Frau. Ersterer ist sehr leidend (brustkrank) war aber nicht übel – hat Wein-Balladen von Vikt. Scheffel componirt, recht glücklich. Übrigens – weßhalb ich ihm gut bin – großer Verehrer von Dir als Comp. wie als Mensch, entzückt auch von Deiner persönl. Liebenswürdigkeit gegen ihn. Gehab’ Dich wohl. Viele Grüße. Weimar wohlauf? In Eile mit besten Gesinnungen Dein alter Bülow. Gestern Metamorph. u. Scherzo in der Soc. Cherubini mit großem Effekt gespielt. Möglich daß ich sie im Sept. in Amerika spiele. Antrag von Ullmann – in mehrerer Hinsicht convenabel im Anzuge. [copyright Simon Kannenberg]



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (8. 5. 1870); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 16. 3 2026.