Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Berlin
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 4. April 1870 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 104
Umfang: 2 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter Freund,
daß es mein sehnlichster Wunsch wäre, der Aufführung Deiner Oper beizuwohnen,
Veröffentlichung: Kannenberg 2020.

Es sei sein sehnlichster Wunsch, der Aufführung der Oper op. 154 beizuwohnen. Es sei jedoch unmöglich. Die leidigen Affairen in Berlin verlangen seine unterbrechungslose Anwesenheit. Müsse binnen drei Wochen nach Italien zurück, da er sowohl in Florenz als auch in Mailand Verpflichtungen übernommen habe. Hält Zusammentreffen mit F. L. in Rom vor definitiver Erledigung des Prozesses für nicht opportun. Empfehlungen an Schwägerin des E.s und deren Gemahl. Schickt Mailänder Konzertzettel mit dem Quintett op. 107. Der E. sei in Jahresfrist populärer als Schumann. Empfiehlt dem E., das Eigentumsrecht für dieses Land zu bewahren.

Verehrter Freund, daß es mein sehnlichster Wunsch wäre, der Aufführung Deiner Oper beizuwohnen, das wirst Du mir wohl ohne ausdrückliche Versicherung glauben. Aber es ist halt unmöglich. Meine leidigen Affairen in Berlin verlangen meine unterbrechungslose Anwesenheit. Binnen drei Wochen muß ich nach Italien zurück – habe sowohl in Florenz als in Mailand Verpflichtungen übernommen, die für meine künftige Existenz und Wirksamkeit daselbst eine nothwendige Grundlage bilden werden. Herzliches Bedauern, nicht Zeuge Deines sicheren Triumphes sein zu können, nicht minder Lamentation daß es mir nicht vergönnt sein wird, in Florenz zum Frühjahr Deinen Besuch zu empfangen. (Nb: ein Zusammentreffen mit F. L. (Rom) vor definitiver Erledigung meines – Prozesses halte ich für unopportun in jeder Hinsicht. Das unter uns.) Schönste Empfehlungen an Deine verehrte Schwägerin und ihren liebenswürdigen Gemahl. Laß Dich durch den beiliegenden Mailänder Conzertzettel ennuyiren. Dort ist Dein Quintett noch schöner aufgeführt, noch stürmischer acclamirt worden als in Florenz. (Fünf Stunden Probe – die ich ohne Noten abhielt, wie ich denn jetzt alle Ensemblestücke öffentlich auswendig spiele und dergleichen mit mir studieren lasse: probatum est! ) In Jahresfrist bist Du in Italien populärer als Schumann, der ziemlich viel gespielt u. nachgedruckt wird. Halte Dir das Eigenthumsrecht für dieß Land bei Deinen neuen Verlegerpakten in Reserve! Gelegentlich bitte ich Dich um einige Exemplare verschiedener Deiner Hauptwerke im Gebiete der Kammermusik – ich werde sie näher bezeichnen – um ein Bischen Propaganda zu machen. Was Ihr Deutsche von den Italiänern für Begriffe habt! Die kunstempfänglichste, feinfühligste Nation der Welt, exigeanter aber – Gottlob! – betreffs plastischer Ausführung. Nun – seitdem ich wieder zu Kräften gekommen, kann ich Dir dieselbe für mich u. gewählte Genossen garantiren. Gestern u. vorgestern hatte ich übrigens Hausarrest da Ermüdung von den Conzerten in Mailand, die Strapatzen der Reise hatten mich ein wenig niedergeworfen. Grippe – Nesselfieber u. s. w. Die treffliche Pflege, die mein liebenswürdigen Wirth mir angedeihen läßt, die Ruhe die er mir gegen die Attaquen unzähliger alter Bekannter sichert, haben mich heute schon wieder in die Höhe gebracht, so daß ich Deinen so eben empfangenen Brief, wenn auch etwas matt, doch umgehend beantworten kann. Leb wohl, theurer Freund und laß Dir Freude und Ruhm blühen! Dein treuergebener Berlin, 4 April 1870. italiänischer Bülow. Johannisstr. 5.



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Bereitgestellt durch: Bayerische Staatsbibliothek München (BSB)
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (4. 4. 1870); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 16. 5 2026.