Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: München
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 15. Dezember 1868 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 94
Umfang: 2 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter freund,
nur zwei Worte des Dankes für die eben empfangene Partitur Deiner zweiten Sinfonie,
Veröffentlichung: Bülow, Briefe 4, 110, S. 258f.; Kannenberg 2020.

Bedankt sich für die Partitur der zweiten Symphonie op. 140. Möchte diese nach Karneval hier aufführen. Ausführung und Erfolg der Suite op. 101 seien befriedigend gewesen. Kündigt ein historisches Konzert in München an (16. Dezember mit Bach, Haydn, Mozart und Beethoven). Richte Grandaur Kommission, Gruss und Ablehnung aus. Lese keine Zeitung und wisse auch nichts von Vischer. Frau leidend in Versailles. Sie habe all Verbindungen mit hier abgeknüpft. Anspielung auf Heirat von Cäcilia Meyerbeer. Habe keine Konzerte in der Zeit, in der Wilhelmj frei sei. Schotts haben nach 14 Tagen noch nicht geantwortet. Habe Quintett aus "Meistersingern" abgeschickt. Empfehlungen an die Frau, Grüsse an Mlle Alex und gesunde Verdauung von Henselts Konzert. Regisseur Jenke empfehle sich Doris. Fragt, ob Helenchenund die Merians [Emil und Emilie] wohlauf seien. Habe schon seit langem keine Kunde mehr aus Rom [Liszt].

Verehrter freund, änur zwei Worte des Dankes für die eben empfangene Partitur Deiner zweiten Sinfonie, die ich in nächster Saison (nach dem Carnaval) hier aufzuführen gedenke. Neuliche Ausführung und Erfolg Deiner Suite waren für mich sehr befriedigend. Dank ferner für alle Notizen – kann mich leider nicht revanchiren, da „monnay“◊1 nämlich „time“ fehlt. å Morgen historisches Conzert, mit welchem ich hier nothwendigen ästhet. Coup beabsichtige: 1. Suite von Bach. 2. Sinf. v. Haydn. 3. Sinf. Es – Mozart 4. 8te Sinf. F. von Beethoven. äWerde Grandaur Deine Commißion, Gruss, Ablehnung ausrichten.å Wie kannst Du noch wähnen, daß ich resp. wir (incl. Wagner) bei igend etwas Aussermusikalischem Hand im Spiele gehabt, haben, haben werden od. wollen. Ausserdem lese keine Zeitung – weiß desshalb absolut nichts von Vauvischer, der mir nischt anjeht, und desshalb jrundejal ist, wie verschiedenes Andre. Nb: ich treibe nur Musik, nicht Politik, Aesthetik, Litteratur noch weniger Intrigue. äMeine Frau fortdauernd leidend in Versailles. hat alle Verbindungen mit hier abgeknüpft, abgebahnt. Zachariä – Mme Meyerbeers „gendre“ – mir Beides „Gotha“. In der Zeit, wo Wilhelmy frei, haben wir leider keine Conzerte. Weisst Du nicht, wie es zugeht, daß man von Schotts nach 14 Tagen keine Antwort auf Brief erhält? Habe nun – unautorisirt – Transcription von Quintett aus Meistersingern abgeschickt. Würdest Du gelegentlich erfahren können, ob man es erhalten hat, es sticht? Wo nicht, möchte anderweitig verwerthen. Pardon – aber die Leute antworten nicht. Wie fängt man’s an Erwiderung zu erlangen? Viele Empfehlungen Deiner verehrten Frau (doch nebst Helenchen recht wohl?) und schöne Grüsse an Mlle Alex (gesunde Verdauung von Henselts Conzert ) der ich jetzt nun nicht mehr gut schreiben kann, a.) weil keine Zeit und Laune vorhanden b.) weil ihre Briefe von zu viel Ergebenheitsbetheuerungen strotzen. Jenke (Regisseur) empfiehlt sich Frau Doris. Merians wohlauf? Aus Rom lange keine Kunde.å Möge es Dir in allem Schaffen und Denken leicht, wohl, und nach Wunsche gehen! äTreulichst Dein München, 15 Dez. 1868. Bülowå [copyright Simon Kannenberg]



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Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (15. 12. 1868); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 15. 6 2026.