Verehrter freund, änur zwei Worte des Dankes für die eben empfangene Partitur Deiner
zweiten Sinfonie, die ich in nächster Saison (nach dem Carnaval) hier aufzuführen
gedenke. Neuliche Ausführung und Erfolg Deiner Suite waren für mich sehr
befriedigend. Dank ferner für alle Notizen – kann mich leider nicht revanchiren, da
„monnay“◊1 nämlich „time“ fehlt. å Morgen historisches Conzert, mit welchem ich hier
nothwendigen ästhet. Coup beabsichtige: 1. Suite von Bach. 2. Sinf. v. Haydn. 3.
Sinf. Es – Mozart 4. 8te Sinf. F. von Beethoven. äWerde Grandaur Deine Commißion,
Gruss, Ablehnung ausrichten.å Wie kannst Du noch wähnen, daß ich resp. wir (incl.
Wagner) bei igend etwas Aussermusikalischem Hand im Spiele gehabt, haben, haben
werden od. wollen. Ausserdem lese keine Zeitung – weiß desshalb absolut nichts von
Vauvischer, der mir nischt anjeht, und desshalb jrundejal ist, wie verschiedenes
Andre. Nb: ich treibe nur Musik, nicht Politik, Aesthetik, Litteratur noch weniger
Intrigue. äMeine Frau fortdauernd leidend in Versailles. hat alle Verbindungen mit
hier abgeknüpft, abgebahnt. Zachariä – Mme Meyerbeers „gendre“ – mir Beides „Gotha“.
In der Zeit, wo Wilhelmy frei, haben wir leider keine Conzerte. Weisst Du nicht, wie
es zugeht, daß man von Schotts nach 14 Tagen keine Antwort auf Brief erhält? Habe nun
– unautorisirt – Transcription von Quintett aus Meistersingern abgeschickt. Würdest
Du gelegentlich erfahren können, ob man es erhalten hat, es sticht? Wo nicht, möchte
anderweitig verwerthen. Pardon – aber die Leute antworten nicht. Wie fängt man’s an
Erwiderung zu erlangen? Viele Empfehlungen Deiner verehrten Frau (doch nebst
Helenchen recht wohl?) und schöne Grüsse an Mlle Alex (gesunde Verdauung von Henselts
Conzert ) der ich jetzt nun nicht mehr gut schreiben kann, a.) weil keine Zeit und
Laune vorhanden b.) weil ihre Briefe von zu viel Ergebenheitsbetheuerungen strotzen.
Jenke (Regisseur) empfiehlt sich Frau Doris. Merians wohlauf? Aus Rom lange keine
Kunde.å Möge es Dir in allem Schaffen und Denken leicht, wohl, und nach Wunsche
gehen! äTreulichst Dein München, 15 Dez. 1868. Bülowå [copyright Simon
Kannenberg]