Verehrter freund, entschuldige Eile und Drathstyl in Erwägung umgehender Erwiderung.
Fürchte sehr daß Du Opfer Deiner Herzensgüte. Persönlich kenne ich das Individuum
nicht, weiss aber daß der selige Rudolf V. mir häufig seine Herzensnoth und
Geldbeutelnoth geklagt hat – wegen eines mauvais sujet’s von Bruder (ich glaube
ebenfalls „Tonkünstler“) der leichtsinnige Streiche, Schulden gemacht, dann mit
Selbstentleibung gedroht, wenn der Bruder nicht hülfe u. s. w. Beim Militär hat
derselbe – ob er Anton heisst, ist mir unbekannt – desertirt – Rudolf in Höllenangst
(er war ein guter redlicher Familienmensch) reist nach Erfurt u. s. w. thut alle
mögl. Schritte um den Steckbrief rückgängig zu machen u. s. w. Rudolf Viole’s Wittwe
lebt bei ihren Eltern in Berlin (Oranienstr. 43.) in leidl. Umständen – sie bezieht
auch eine kleine Wittwenpension; nöthigenfalls könnte sie über Anton Auskunft geben.
Erlaube, daß ich einem Schlingel Deine sauer erworbenen 8 Thaler mißgönne. Die
Hamburger können meinetwegen bluten. Daß diess der Fall, schliesse ich beinahe
daraus, daß der Kerl [mich] nicht angepumpt, vermuthlich ahnend, daß ich von seinem
sel. Bruder über ihn von früher her aufgeklärt. Dokumente anbei retour. æDaß 3 Akt
von Meistersinger endlich fertig gestochen, erfahre ich zu großer Freude. Ich habe
bereits Orchester-Correcturproben à 3 Stunden gehalten, 3 mit Streichern, 2 mit
Bläsern – wir bedürfen deren (Corr.-Proben) aber mindestens noch zwei à 3 Stunden.
Χαλεπὰ τὰ καλά. ç Herzliche Grüsse von Haus zu Haus. In Eile Dein treuergebener
München, 13/III 68. HvBülow. Nb Hat Mad. Schott Ode au pr. nicht mit Orchester
gespielt? Nun da müßen doch Stimmen vorhanden sein, ohne daß Du (!!) sie zu copiren
(!!) genöthigt wärest. [copyright Simon Kannenberg]