St. Moritz im Engaddin 19 August 1867 Verehrter freund! In Erwiderung Deiner Zeilen
vom 17. bitte ich Dich um Erlaubniß, Deinen und Herrn Kapellmeister Reinecke’s Wunsch
meinem Schwiegervater mitzutheilen. Erlaube ferner, daß ich Dich versichere, daß Du
nicht ungelegen sein oder höchstens in Deiner Einbildung so erscheinen könntest. Mich
selbst anlangend, so sind mir die Vorgänge in Meiningen und Weimar überaus
gleichgültig – schon lange habe ich erstens faktisch aufgehört, mit Zopff et Co in
irgend einer Relation zu stehen (nominell halte ich’s freilich für pundonoroso stets
mit dazu gezählt zu werden) und zweitens habe ich das Ersuchen des Grossherzogs, die
Aufführung der Elisabeth durch Proben vorzubereiten, purement et simplement seiner
Zeit abgelehnt. Man hat mich aus München später fortgelaßen, als ich hoffte: erst am
9 d. bin ich hier eingetroffen – ich trinke und bade so reglementsmäßig als möglich –
Luft und Wetter sind himmlisch (aber scharf) – und mein einziges Geschäft ist, meinen
elenden Cadaver für die Winterstrapatzen wieder tauglich zu machen. Ich treibe ein
rührendes Nichtsthun. Vielleicht schlägt’s an. Am 15 Sept. wieder in Monaco. Mit
Freuden habe ich von Merians vernommen, daß sie Dich und die Deinen in erfreulichem
Wohlsein gefunden haben. Möge es stets so bleiben, bis wir uns, was hoffentlich nicht
gar zu lange währt, persönlich einmal wiedersehen. Einstweilen wie immer Dein
treuergebener Bülow, Kurpatient Zimmer No 42. [copyright Simon Kannenberg]