Verehrter freund! Ich habe Dir vorgestern geschrieben – recht zur Unzeit, wie mich
eben zu meiner großen Betrübniss die Augsb. Allgem. Zeitung lehrt, in welcher ich die
Anzeige von dem erschütternden Trauerfall lese, der Dich und noch mehr Deine verehrte
Frau vor wenigen Tagen betroffen hat. Genehmiget unsere innigste
Beileidsversicherung! War Euch der Trost gegönnt, Deines Schwiegervaters letzte Tage
durch treue Liebe und Pflege der Seinigen verklärt zu wissen, so mildert derselbe
doch kaum die Grausamkeit des Schicksalsschlages, den man sich befugt glauben mußte,
noch in jahrelange Ferne hinausgerückt zu sehen. Sicher hat sein Gemüth den traurigen
Eindrücken der blutig-eisernen Geschichtsepisode der letzten Monate nicht widerstehen
können. Von Herzen wünschend und hoffend, daß der bewährte starke Geist Deiner
verehrten Frau, ihre Liebe zu Dir und dem Kinde die Vernarbung der neuen tiefen
Herzenswunde ermögliche, durch Faßung, Ergebung und Vorwärtsblicken vielleicht
beschleunige, bleibe ich in wahrhaftem Mitgefühle wie immer Dein treuergebener
Landhaus Triebschen HvBülow. bei Luzern 14 August 1866.