Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Berlin
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 28. August 1863 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 52
Umfang: 2 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter freund,
zum Teufel mit der Scheererei – wirst Du ausrufen – aber es geht nicht anders
Veröffentlichung: Kannenberg 2020.

Bedankt sich für den Versuch des E.s, ihn für das Konzert in Wiesbaden zum Spiel mit Orchesterbegleitung zu bringen. Will das A-Dur-Konzert von Liszt nicht für das "bökannte" Publikum spielen. Hagen könne es auch nicht dirigieren. Blassmann habe die Stimmen in seiner Leipziger Wohnung eingeschlossen und sei im Bad. Denkt an Beethoven oder Henselt. Hätte das Konzert lieber am 4. als am 11., damit er eingeübt aus Berlin, nicht steif aus Karlsruhe kommen könne. Fragt, ob er am 2. abreisen soll, wenn bis dann keine Nachricht von Barth eingetroffen sei. "Pallat Sohn Wolfschlucht spielend und Pallat Vater als Samiel von Profession durch Claquiren 'helfend' – wunderbares Bild!"

Verehrter freund, zum Teufel mit der Scheererei – wirst Du ausrufen – aber es geht nicht anders – ich muß Dich incommodiren. Indem ich Dir bestens danke für den Versuch, mich in Wiesbaden zum Spiel mit Orchesterbegleitung zu bringen – das A Dur-Conzert von Liszt scheint mir für das „bökannte“ Publikum im Conversationssaal unmöglich. Das gibt ein Fiasco – d’estime vielleicht, aber das nur im günstigsten Falle! Hagen kann’s auch nicht dirigiren, so wenig als David in Leipzig! Zudem – und das freut mich gewißermaßen, damit ich nicht meiner persönlichen Neigung trotz praktischer Bedenken zu folgen \verführt/ gezwungen werden kann – besitze ich die Orchesterstimmen leider gegenwärtig nicht. Blassmann hat sie in seiner Leipziger Wohnung eingeschlossen, – er ist im Bade, kann sie also nicht herausgeben. Den Copisten kommen zu laßen zaudre ich, da die Sache überdies problematisch ist und kaum die nöthige Zeit mehr vorhanden wäre. Aber wie wäre es mit Beethovens Es Dur Conzert oder dem Henseltschen – vorausgesetzt, daß ich am 11. spielen soll, und Orchester disponibel ist? Mir persönlich wäre es übrigens lieber, das Conzert fände, wie ursprünglich bestimmt, am 4. statt, damit ich eingeübt von Berlin, nicht steif von Carlsruhe kommen und sobald als möglich meine dieser Tage noch unausführbaren Vorbereitungen für die Lancirung der Orchesterconzerte treffen kann. Das wird einen solchen Trubel geben, daß es mir unter Umständen auf 24 Stunden früher ankommen kann. Zudem gewinne ich, wenn’s beim 4ten bleibt, einige Tage Zeit, Deine Gesellschaft zu geniessen, so weit Du sie mir gönnen magst und vermagst. Soll ich am 2ten abreisen, wenn bis dahin keine Nachricht vom CM. Barth gekommen ist? Na – ich kann ja auch bis zum dritten September warten. Das war’s, was ich Dir mittheilen wollte. Ich hätte es wahrlich unterlaßen, wenn Du nicht Hausnachbar von Barth wärst, wodurch der eventuelle Depeschenverkehr in meiner Angelegenheit Dir mit ihm erleichtert ist. Bitte tausendmal um Entschuldigung! In Eile mit herzlichem Gruße Dein treuergebener Berlin, 28 Aug 63. HvBülow. ◊1Pallat Sohn Wolfschlucht spielend und Pallat Vater als Samiel von Profession durch Claquiren „helfend“ – wunderbares Bild! [copyright Simon Kannenberg]



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Bereitgestellt durch: Bayerische Staatsbibliothek München (BSB)
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (28. 8. 1863); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 16. 4 2026.