Verehrter freund, Donnerwetter! Was hast Du da wieder gemacht! D. h. Donnerwetter,
ist das schön! Und – was hast Du da wieder für ein Meisterwerk geschrieben! Meine
Frau denkt und empfindet gleich mir. Sie ist ganz entzückt von der neuen Suite und
nimmt die freundliche Widmung mit bestem Danke entgegen. Sobald sie aus der
Verwirrung der letzten und nächstfolgenden Tage einigermaßen zur Ruhe gelangt sein
wird, hat sie sich vorgenommen, das Gesagte selbst durch ein paar Zeilen ihres
aufrichtigsten Dankes zu bestätigen. Im Augenblicke geht’s bunt her. Nach der
holländ. Reise – die Begegnung mit Deiner Fräulein Schwägerin, die prachtvoll
gesungen, glänzend gefallen und sich auf’s Wünschwertheste erholt hat, hat mir eine
große, wenn auch nur sehr flüchtige Freude gewährt – waren hier verschiedene Conzerte
von mir durch Klavierspiel und Taktstockpromenaden zu illustriren. Donnerstag müßen
wir nach Löwenberg reisen, den Geburtstag des liebenswürdigen ersten Decorateurs
meiner Wenigkeit durch Conzert und franz. Komödie – für welche ich noch ein paar
Bogen zu lernen habe, – feiern zu helfen. Dann habe ich ein paar Conzerte in Breslau
und Posen. Am 26. komme ich wieder nach Berlin zurück. Deine Sonate – warum soll man
sie nicht so nennen – ist ganz famos. Es steckt ungeheuer viel darin. Cavatine ganz
wundervoll. Variationen überaus geistvoll und dankbar. Schwierig ist eigentlich nur
der erste Theil. Morgen will ich Deinem Wunsche gemäß eine Razzia auf Schreibfehler
unternehmen und dann das Manuscript erwarteter Maßen bis zum 15. wieder in Deine
Hände zurückgelangen laßen. Ich muss heute beinahe so lakonisch sein, als Du.
äBeinahe nur – ich bin egoistischer als Du – und habe eine Bitte noch auf dem Herzen.
Am 20. März gebe ich ein Conzert in Braunschweig bei dem mich die Kapelle, welcher
ich im Januar eines ihrer Conzerte gratis unterstützt habe, als Gegenleistung re-
unterstützen wird. Könntest Du mir die gütige Mitwirkung Deiner Fräulein Schwägerin
vermitteln? Das ist eigentlich eine unverschämte Bettelei denn ich fürchte ihr nicht
mehr bieten zu können als die Entschädigung der Aufenthalts- und Reisekosten (1. Cl.)
Ich brauche nicht zu sagen, daß ich grossen Werth darauf lege, wenn sie meine Bitte
erfüllen mag. Genirt es sie irgend, so werde ich natürlich nicht unbescheiden
drängen. Möchtest Du mir unbewunden darüber schreiben? (Traumkönig – Lorelei u. was
irgend sonst.) Mit bestem Danke einstweilen für die künstlerische Freude die und
durch Deine Suite zu Theil geworden, mit ergebensten Empfehlungen von Haus zu Haus
und aufrichtigsten Wünschen für Dein und Deiner verehrten Frau Gemahlin Wohlbefindenå
Dein winterzeitloser freundschaftlicher Verehrer äBerlin, 10 febr. 62. Hans vBülow.å
Den ganzen Abend revidirt, einige zweifelhafte Stellen mit Blei angestrichen u. s. w.
und mit rasendem Vergnügen durchgespielt. Famos und für mich so bequem wie nichts
Anderes. Sei zufrieden! Ich freue mich unendlich, wenn ich’s werde studieren können.
Laß mir so bald als möglich einen Abzug schicken! [copyright Simon Kannenberg]