Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Berlin
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 10. Februar 1862 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 35
Umfang: 3 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter freund,
Donnerwetter! Was hast Du da wieder gemacht!
Veröffentlichung: Bülow 1895 III, S. 464ff.; Marty 2014, S. 222; Kannenberg 2020.

Zeigt sich entzückt vom neuen "Meisterwerk", das der E. seiner Frau gewidmet hat [op. 91]. Habe nach der holländischen Reise die Schwägerin des E.s getroffen. Konzertpläne in Löwenberg (zum Geburtstag von Constantin von Hohenzollern-Hechingen ), Breslau, Posen und wieder Berlin. Schwärmt weiter von der geglückten "Sonate" des E.s ("warum soll man sie nicht so nennen") ["Suite" op. 91]. Mache jetzt eine Razzia auf mögliche Schreibfehler und gebe wieder Bescheid. Gebe am 20. März ein Konzert in Braunschweig. Bittet um Vermittlung für die Mitwirkung der Schwägerin ("Traumkönig" - "Lorelei" [aus op. 98] "u was irgend sonst"). Wünsche an Gemahlin.

Verehrter freund, Donnerwetter! Was hast Du da wieder gemacht! D. h. Donnerwetter, ist das schön! Und – was hast Du da wieder für ein Meisterwerk geschrieben! Meine Frau denkt und empfindet gleich mir. Sie ist ganz entzückt von der neuen Suite und nimmt die freundliche Widmung mit bestem Danke entgegen. Sobald sie aus der Verwirrung der letzten und nächstfolgenden Tage einigermaßen zur Ruhe gelangt sein wird, hat sie sich vorgenommen, das Gesagte selbst durch ein paar Zeilen ihres aufrichtigsten Dankes zu bestätigen. Im Augenblicke geht’s bunt her. Nach der holländ. Reise – die Begegnung mit Deiner Fräulein Schwägerin, die prachtvoll gesungen, glänzend gefallen und sich auf’s Wünschwertheste erholt hat, hat mir eine große, wenn auch nur sehr flüchtige Freude gewährt – waren hier verschiedene Conzerte von mir durch Klavierspiel und Taktstockpromenaden zu illustriren. Donnerstag müßen wir nach Löwenberg reisen, den Geburtstag des liebenswürdigen ersten Decorateurs meiner Wenigkeit durch Conzert und franz. Komödie – für welche ich noch ein paar Bogen zu lernen habe, – feiern zu helfen. Dann habe ich ein paar Conzerte in Breslau und Posen. Am 26. komme ich wieder nach Berlin zurück. Deine Sonate – warum soll man sie nicht so nennen – ist ganz famos. Es steckt ungeheuer viel darin. Cavatine ganz wundervoll. Variationen überaus geistvoll und dankbar. Schwierig ist eigentlich nur der erste Theil. Morgen will ich Deinem Wunsche gemäß eine Razzia auf Schreibfehler unternehmen und dann das Manuscript erwarteter Maßen bis zum 15. wieder in Deine Hände zurückgelangen laßen. Ich muss heute beinahe so lakonisch sein, als Du. äBeinahe nur – ich bin egoistischer als Du – und habe eine Bitte noch auf dem Herzen. Am 20. März gebe ich ein Conzert in Braunschweig bei dem mich die Kapelle, welcher ich im Januar eines ihrer Conzerte gratis unterstützt habe, als Gegenleistung re- unterstützen wird. Könntest Du mir die gütige Mitwirkung Deiner Fräulein Schwägerin vermitteln? Das ist eigentlich eine unverschämte Bettelei denn ich fürchte ihr nicht mehr bieten zu können als die Entschädigung der Aufenthalts- und Reisekosten (1. Cl.) Ich brauche nicht zu sagen, daß ich grossen Werth darauf lege, wenn sie meine Bitte erfüllen mag. Genirt es sie irgend, so werde ich natürlich nicht unbescheiden drängen. Möchtest Du mir unbewunden darüber schreiben? (Traumkönig – Lorelei u. was irgend sonst.) Mit bestem Danke einstweilen für die künstlerische Freude die und durch Deine Suite zu Theil geworden, mit ergebensten Empfehlungen von Haus zu Haus und aufrichtigsten Wünschen für Dein und Deiner verehrten Frau Gemahlin Wohlbefindenå Dein winterzeitloser freundschaftlicher Verehrer äBerlin, 10 febr. 62. Hans vBülow.å Den ganzen Abend revidirt, einige zweifelhafte Stellen mit Blei angestrichen u. s. w. und mit rasendem Vergnügen durchgespielt. Famos und für mich so bequem wie nichts Anderes. Sei zufrieden! Ich freue mich unendlich, wenn ich’s werde studieren können. Laß mir so bald als möglich einen Abzug schicken! [copyright Simon Kannenberg]



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (10. 2. 1862); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 15. 3 2026.