Verehrter freund, es hat mir Vergnügen gemacht, daß sich unsere Briefe gekreuzt
haben. Es ist ein Aberglaube von mir, daß dergleichen nur Leuten paßiert, die einen
natürlichen nothwendigen und unlösbaren geistigen Zusammenhang mit einander haben.
Heute spiele ich in Basel (unter anderem Liszts Concert I ) das gestern in der Probe
allgemein gefallen \hat/ und ganz leidlich gegangen ist. Morgen nach Paris zurück. Am
14. in Utrecht – Tags drauf führt man den Tasso in Amsterdam auf: ich will natürlich
dabei sein. Dann geht’s mit starken Schritten nach Wien, aber nicht in Eilmärschen,
da ich einen Tag in Carslruhe, einen in Weimar und einen in Leipzig zu thun habe. Es
frägt sich nur, auf welchen Tag ist das dritte Cäcilienvereinsconcert angesetzt? Ich
brauche Dir nicht zu sagen, wie unendlich es mich freuen würde, mit Ohren und Händen
dabei zu sein; soweit es die allerdings jetzt sehr knapp zugeschnittene Zeit
gestattet, will ich suchen, mich darnach zu richten, aber ich muß es längstens bis
zum 10ten März in Paris wissen. Hast Du das Datum vergeßen zu schreiben, oder ist es
noch nicht fixirt? Jedenfalls habe die Güte mich rasch davon in Kenntniß zu setzen.
Basel ist gar nicht übel. Die Leute haben Ambition. Du mußt später einmal etwas
hierher einsenden. Orchester und Dirigent (E. Reiter ) gutwillig und intelligent. Ich
habe Strauß empfohlen (der muß hier natürlich Deine Liebesfee spielen.) Wagner nimmt
dankend Dein Anerbieten der Vermittlung in musikal. Dingen an. Über Album und
mehreres Andere habe ich ausführlich in meinem neulichen Schreiben, das Du
hoffentlich empfangen hast, referirt. Gratulire Deiner Schwägerin, condolire dem
armen Schreiber; er soll sich baronisiren laßen, Mäzen und Amateur werden. Hast Du
meine „Elfenjagd“ aus Berlin erhalten? Darf ich sie Dir empfehlen, wenn sie Dir, wie
ich so frech bin zu hoffen, nicht misfällt[?]◊1/ Liszt’s Au bord d’une source hat in
Paris ungemein gefallen und wird stark verlangt. Schott soll doch eine Pariser
Ausgabe veranstalten! Falls Du mir Musik schickst, am besten durch Flaxland (4 Place
de la Madeleine). F. ist ein Mensch, mit dem sich was anfangen läßt, er hat die
älteren Wagnerschen Opern gekauft – es ist ein sehr honneter und gebildeter junger
Kauz. Wenn ich nach Leipzig komme, werde ich Brendel gehörig den Kopf waschen nicht
mit Eau Athénienne, sondern mit Eau Spartiate, verlass Dich drauf! äMeine besten
herzlichsten Empfehlungen Deiner Frau. In aufrichtiger Verehrung Dein ergebener
Basel, 4 März 1860. HansvBülowå