Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Berlin
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 8. Januar 1860 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 16
Umfang: 2 Seiten
Material: Papier
Incipit: Verehrter freund,
daß ich Dir so spät auf Deinen liebenswürdigen Brief antworte
Veröffentlichung: Bülow 1895 III, S. 290; Kannenberg 2020.

Nehme mit "tausend Freuden" die Einladung nach Wiesbaden an. Könne den E. 24h behelligen. Berichtet über die "vorgestrige Soirée", ein entscheidender Erfolg, den er von Berlin nicht erwartet hätte. Die Schiller-Stiftung bekomme nun 350 Thaler. Habe das "Scherzo" op. 74 gespielt, das fast noch mehr eingeschlagen habe als die "Metamorphosen". Die "Neue Berliner Musikzeitung", das "Echo", "Glasbrenner's Berlin" und die ministerielle Preussische Zeitung haben sehr positiv über letzteres geschrieben. Habe die Berliner Schnitzel an den zu beglückenden Verleger [Schuberth] eingesandt, der hoffentlich auch die 'Tanzcapricen' op. 54 von dem "épicier" Bahn an sich bringen werde. Empfehlungen an Frau, Grüsse von seiner Frau. Emilie Genast habe versprochen, zur gestrigen Soirée zurück zu sein, der neuerliche Aufenthalt sei in die traurigste Zeit gefallen.

Verehrter freund, ädaß ich Dir so spät auf Deinen liebenswürdigen Brief antworte, entschuldigst Du wohl freundlich mit Rücksicht auf die aussergewöhnliche Anhäufung meiner Zeitausgaben vor einer grösseren Reise. å Mit tausend Freuden und Dank nehme ich Deine Einladung an; ich reise übermorgen Dienstag Abend ab, treffe also – das neue Coursbuch ist noch nicht erschienen – muthmaßlich Mittwoch Mittags in Wiesbaden ein, wo ich, wenn nichts Unerwartetes da zwischen kommt, wenigstens vier und zwanzig Stunden Deiner Behelligung widmen kann. Jetzt ist kein Geheimniß mehr daraus zu machen und ich habe meine Freude über den Einfall Dich zu besuchen schon vielseitigst ausgelaßen. – Meine vorgestrige Soirée war von sehr entscheidendem Erfolge für mich – ich hatte so Durchgreifendes und für die Zukunft Garantirendes in Berlin nicht erwartet. Die Schillerstiftung bekommt gegen 350 reine Einnahme. Ich kann es mir nicht versagen, Dir den schriftlichen d. h. gedruckten Beleg einzusenden, daß ich Dein Scherzo gespielt. Die Wirkung war vollkommen befriedigend für das Werk und die Ausführung; eigentlich hat es fast noch mehr eingeschlagen wie die Metamorphosen, über die die Neue Berliner Musikzeitung, das Echo, Glasbrenner’s Berlin und die ministerielle preuss. Zeitung höchst anerkennend geschrieben haben. Doch da Dir das mit Fug und Recht indifferent ist, habe ich die Berliner Schnitzel an den damit zu beglückenden Verleger, der hoffentlich auch Deine Tanzcapricen von dem Épicier Bahn an sich bringen wird, eingesandt. Alles Übrige mündlich. Ich habe den Kopf gar nicht beisammen in diesen Tagen – verzeih das elende Gekritzel. – äMeine ergebensten Empfehlungen an Deine Frau Gemahlin. Meine Frau grüsst herzlich. Frl. Emilie Genast hatte versprochen zur gestrigen Soirée zurück zu sein, hat aber nicht Wort gehalten; ihr neulicher Aufenthalt fiel gerade in die traurigste Zeit, ich habe sie nur flüchtig sehen können. Leb wohl bis in Kurzem. Sehr in Eile Dein herzlich ergebener Berlin, 8 Januar 1860. HansvBülowå



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (8. 1. 1860); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 15. 3 2026.