Absender: Hans von Bülow (C00114)
Erstellungsort: Berlin
Empfänger: Joachim Raff (C00695)
Datierung: 25. November 1856 (Quelle)
Standort: Bayerische Staatsbibliothek (München)
Signatur: Raffiana I, Bülow, Hans von Nr. 13
Umfang: 3 Seiten
Material: Papier
Incipit: [keine Anrede]
Ich bin Dir dankbar, mir die drei Claviersoli
Veröffentlichung: Bülow 1895 III, S. 60ff.; Marty 2014, S. 195, Kannenberg 2020.

Drückt seine Dankbarkeit für die Widmung der "Drei Claviersoli" op. 74 aus. Liszt habe ihm diese vor Jahr und Tag ohne weiteren Auftrag übergeben. Hätte das Scherzo oder die Metamorphosen im zweiten Zyklus seiner Triosoiréen aufführen wollen. Bei Lührss, Bargiel und anderen seien sie auf grosses Interesse gestossen. Möchte informiert werden, wenn die Violinsonate op. 73 gedruckt sei. Wolle sie zusammen mit Laub wiederholen. Wünscht sich die "Pièce für Cello und Klavier" op. 59. Bedauert, dass er auf der Rückreise über Baden und Mainz die erste Aufführung des "Alfred" [WoO 14] in Wiesbaden verpasst habe. Glaubt, dass der E. ihn als "Riehlsches Charakterköpfchen" sehe. Sehe hingegen eine unsichtbare Kette zwischen allen ehrlich Ringenden. Bedauert, dass Peter [wohl Lindpaintner] vor seinem Tode nicht Neapel gesehen habe.

◊1Ich bin Dir dankbar, mir die drei Claviersoli, die mir Liszt ohne weiteren Auftrag, sie Dir zu einer bestimmten Zeit zurückzusenden, vor Jahr u. Tag übergeben hat, so lange anvertraut zu haben. Ich hätte die Metamorphosen oder das Scherzo gern im zweiten Cyclus unserer Triosoiréen, von deren erstem ich Dir das Programm beifüge, vorgetragen, um so mehr, als dieselben bei meinen Freunden u. Bekannten, Lührss, Bargiel u. s. w. außerordentliches Intereße erweckt. Entschuldige daß ich das sofort nicht buchstäblich habe erfüllen können: ich war über die Ohren beschäftigt, habe an drei Tagen der vorigen Woche öffentlich spielen müßen. Heute ist unsere erste Trio soirée; da will ich vorerst die alte Schuld bezahlen. Wenn die Violinsonate gedruckt sein sollte, so bitte ich Dich mich davon zu avertiren; Laub und ich möchten die Ausführung wiederholen. Desgl. würde der Pièce für Piano und Cello jetzt Gelegenheit werden können, vorgeführt zu werden. Hätte ich eine Ahnung gehabt, daß ich bei der Rückreise von Baden in Mainz am „lendemain“ der ersten Aufführung des Alfred in Wiesbaden eintreffen würde, ich hätte es eingerichtet, dahin zu kommen. Es thut mir meinetwegen sehr leid. Kurios ist übrigens die Art u. Weise wie Du mit mir stehen willst; Du siehst mich wie es scheint, für ein Riehlsches Charakterköpfchen an, für einen einseitig Besessenen. Vielleicht kennst Du mich einmal beßer. Nach meiner Meinung ist zwischen allen ehrlich Ringenden eine unsichtbare Kette, die über dem Ableugnen schwebt. Ich würde Dir mehr schreiben, wenn ich nicht sehr leidend wäre und wie gesagt bis über die Ohren in unleidlichen Beschäftigungen stäke. Übrigens bin ich ein Liebhaber weder von Aal, noch von jener Gattung desselben die im Moore lebt. Und wenn es mir auch z. B. leid thut, dass Peter vor seinem Tode nicht Neapel gesehen hat, so gehören dergleichen Gefühlszärtlichkeiten bei mir zu Ausnahmefällen. Der aufrichtige Bewunderer u. Verehrer Deines Geistes, Deiner Energie, Deiner rastlosen Thätigkeit und Dir, wo es möglich, ganz ergebene Mensch äBerlin Hans vBülow. 25 Nov. 1856 Adr: Eichhornstrasse 10.å ◊2Übrigens schlage ich Dir vor, mich einmal mit einem Rescript wieder zu beehren und erlaube mir, Dir in Erinnerung zu bringen, daß wir uns seit zehn Jahren kennen und beide quasi Deutsche sind. [Copyright Simon Kannenberg]



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Zitiervorschlag: Bülow, Hans von: Brief an Joachim Raff (25. 11. 1856); https://portal.raff-archiv.ch, abgerufen am 21. 5 2026.